„Wir freuen uns alle riesig darauf“

Mühlacker

Harry Klenk (60) aus Mühlhausen, im Hauptberuf Führungskraft in einem Logistikunternehmen, fiebert wie seine Bandkollegen Manfred Wirth und Frank Schmidt dem Mühlacker Frühling entgegen, der ihrer Band, dem Holztrio, den langersehnten Jubiläumsauftritt beschert.

Dieses Bild entstand 2020, als das Holztrio nach fünfjähriger Bühnenabstinenz einen Auftritt beim Mühlacker Frühling plante. Man probte, wurde dann aber von Corona ausgebremst. Mittlerweile stehen die Vorzeichen besser, und beim Mühlacker Frühling 2022 werden Frank Schmidt (v.li.), Harry Klenk und Manfred Wirth auf der Bühne stehen. Archivfoto: Fotomoment

Dieses Bild entstand 2020, als das Holztrio nach fünfjähriger Bühnenabstinenz einen Auftritt beim Mühlacker Frühling plante. Man probte, wurde dann aber von Corona ausgebremst. Mittlerweile stehen die Vorzeichen besser, und beim Mühlacker Frühling 2022 werden Frank Schmidt (v.li.), Harry Klenk und Manfred Wirth auf der Bühne stehen. Archivfoto: Fotomoment

Von Carolin Becker

Mühlacker. Das Holztrio ist, wie es die Musiker Harry Klenk, Manfred „Manne“ Wirth und Frank Schmidt selbst beschreiben, seit der Abschiedstournee 2015 in Rente. Doch wer sagt, dass nicht auch im „Leben danach“ der Griff zur Gitarre möglich ist? Nach etlichen Corona-bedingt gescheiterten Versuchen, die Fans mit einem Konzert zum 25-jährigen Bestehen der Band zu erfreuen, ist es jetzt so weit: Im Rahmen des Mühlacker Frühling rockt das Holztrio in der Originalbesetzung am Samstag, 21. Mai, den Kelterplatz. Wir haben mit Harry Klenk über die Hintergründe gesprochen.

Vor ziemlich genau zwei Jahren wurde ein geplanter Jubiläumsauftritt des Holztrios im Rahmen des Mühlacker Frühling abgesagt. Was hat sich seither im Holztrio getan?

Nach diesem ersten gescheiterten Revival waren noch weitere Auftritte geplant, etwa im Cellarium in Knittlingen und in Pforzheim im Kulturhaus Osterfeld. Corona-bedingt musste alles ausfallen, und auch ich persönlich wurde krank und brauchte eine Weile, um wieder vollständig fit zu werden. Jetzt ist es Zeit, im mittlerweile fünften Anlauf tatsächlich auf die Bühne zu gehen. Nennen wir es „Jubiläumskonzert 25 plus Covid zwei“. Und Mühlacker wird nicht der einzige Auftritt sein. Hier spielen wir zu dritt, einige Wochen später beim Maulbronner Klosterfest stehen wir dann mit der Band auf der Bühne – das Holztrio und die Elektrischen Vier.

Wie wichtig ist der Auftritt in Mühlacker für Sie?

Wir freuen uns alle riesig darauf. Und obwohl wir noch fast keine Werbung gemacht haben, gibt es schon viele positive Reaktionen. Die Fans freuen sich auf uns. Und wir sind gespannt, wie es sich nach siebenjähriger Pause anfühlen wird. Schließlich haben wir seither nur selten im privaten Rahmen zusammen Musik gemacht. In Mühlacker schließt sich gewissermaßen ein Kreis. 1995 hatten wir hier an selber Stelle bei einer Vorgängerveranstaltung des Mühlacker Frühling unseren ersten Auftritt.

Und nun wird heftig geprobt?

Sicher, wir müssen gewisse Abläufe absprechen und schauen, wie wir uns wieder zusammenfinden. Aber im Prinzip ist uns unser Repertoire in Fleisch und Blut übergegangen. Ich schätze, wir haben in 20 Jahren 600 bis 700 Konzerte gegeben, da weiß jeder, was der andere macht. Vor den gescheiterten Konzerten haben wir viel geprobt und konnten dann doch nicht spielen. Nun machen wir es anders: wenig proben, dafür Spaß haben auf der Bühne.

War es ein Selbstläufer, dass Sie jetzt, da der Mühlacker Frühling wieder stattfinden kann, wie schon 2020 geplant Teil des Programms sind?

Nein, eigentlich nicht. Aber der Gewerbe-, Handels- und Verkehrsverein und das Citymanagement sind auf uns zugekommen und haben gefragt, ob es bei uns passen würde. Wir hatten ohnehin die Anfrage aus Maulbronn, also war es klar, dass wir dabei sein würden. Nun schauen wir mal, wie es läuft. Eventuell könnte es zu Weihnachten noch ein drittes Konzert geben. Aber das hängt auch davon ab, wie die Resonanz des Publikums ist, ob es uns noch hören will.

Wie wird das Programm aussehen?

Klar ist, dass wir nicht wie früher bei unseren Konzerten vier, fünf Stunden spielen werden. Daher können wir nicht alle Songs, die wir in petto hätten, auch auf die Bühne bringen. Einen festen Ablauf gab es bei uns übrigens nie. Wir reagieren immer auf die Stimmung im Publikum. Fix ist der Anfang mit „The Boxer“ von Simon and Garfunkel und, wenn es die Zugaben zulassen, der Schlusspunkt: „Yesterday“ von den Beatles.

Nun steht der Auftritt beim Mühlacker Frühling unter den besonderen Vorzeichen des Wunsches nach Frieden, der sich zuvor am Abend in geistlichen Impulsen und Poetry-Slam-Beiträgen äußern soll. Nehmen Sie passende Stücke ins Programm?

Der Krieg in der Ukraine ist ganz fürchterlich und muss schnellstmöglich aufhören, und die offene Aggression macht mich unglaublich wütend. Wo wir können, müssen wir versuchen, den Menschen in der Ukraine und den hierher Geflüchteten zu helfen. Aber dieses komplexe Geschehen in unserem Auftritt zu spiegeln, fände ich anmaßend. Wir spielen voller Respekt und im Gedenken an das, was gerade geschieht, aber wir verstehen den Friedensgedanken auch so, dass wir mit unserer Musik die Möglichkeit geben möchten, für eine Weile inneren Frieden zu finden, die Seele baumeln lassen und abschalten zu können.

Wenn das Holztrio nun wieder auf der Bühne steht, wird die Frage an Sie herangetragen werden, ob es nach 2022 weitergeht. Gibt es ein längerfristig angelegtes Comeback?

Nein, denn wir haben 2015 nicht ohne Grund aufgehört. Wir alle werden nicht jünger, und die Anstrengung, die ein Konzert mit sich bringt, darf man nicht unterschätzen. Das ist schweißtreibende Handarbeit mit drei akustischen Gitarren. Unser Publikum ist es gewohnt, vier bis fünf Stunden lang unterhalten zu werden, und bevor wir da Abstriche machen müssten, hielten und halten wir es für besser, aufzuhören, wenn es am schönsten ist. Dabei bleibt es.