Veranstalter: „Viele in unserer Branche haben aufgehört“

Mühlacker

Klaus Hötz leidet wie viele andere unter den Auswirkungen der Pandemie. Jetzt freut er sich, dass seine Firma ZELTIC Mietservice das Hard-Rock-Zelt des Jugendraums Großglattbach aufstellen konnte. Der Unternehmer übt deutliche Kritik an Politikern.

Vorbereitungen fürs Konzert: Das Hard-Rock-Zelt des Jugendraums Großglattbach wird vom ZELTIC Mietservice aufgestellt.Foto: Stahlfeld

Vorbereitungen fürs Konzert: Das Hard-Rock-Zelt des Jugendraums Großglattbach wird vom ZELTIC Mietservice aufgestellt.Foto: Stahlfeld

Von Thomas Sadler

Mühlacker/Maulbronn. Keine Kultur-Highlights, keine Feste, keine Jubiläumsveranstaltungen mit vielen Besuchern: Der Pandemie sind zahlreiche Aktivitäten von Vereinen, Einrichtungen und Firmen zum Opfer gefallen. Folgerichtig leidet unter den Auswirkungen – neben zum Beispiel Gastronomie und Einzelhandel – die Event-Branche. Zu ihr gehört auch die bekannte Maulbronner Firma ZELTIC Mietservice.

Umso mehr freut sich Inhaber Klaus Hötz, erstmalig seit Ende November 2019 wieder ein mittelgroßes Zelt aufbauen zu dürfen, und dies ausgerechnet für einen langjährigen Kunden, nämlich den Jugendraum Großglattbach, der an diesem Samstagabend auf der Aktionswiese in den Enzgärten ein Konzert veranstaltet. 15 mal 40 Meter groß ist das Zelt bei einer Traufhöhe von 2,40 Metern und einer Firsthöhe von 4,90 Metern, wie Hötz informiert.

Der Jugendraum sei einer seiner ersten Kunden gewesen, nachdem er sich selbstständig gemacht hatte, erzählt Klaus Hötz rückblickend. Und sogar schon vorher sei der Großglattbacher Verein Kunde seines Vaters gewesen. Nach einer Teilung der Firma wurden beide Betriebe nach mehreren Umzügen wieder in Maulbronn zusammengeführt, wo sie seither unter dem heutigen Namen firmiert.

„80 Prozent unserer Kunden sind Stammkunden“, sagt Klaus Hötz. Darunter befänden sich vor allem Vereine, aber auch Firmen wie die Großunternehmen Daimler und Bosch. An der Bosch-Teststrecke für Autos und Motorräder in Boxberg habe seine Firma Werkstatt- und Versorgungszelte aufgestellt, und beim Familientag von Mercedes in Wörth sorgte der Maulbronner Betrieb für Kantinen- und Präsentationszelte.

Große Erwartungen hatte der Chef mit 2020 verbunden, da in diesem Jahr etliche Jubiläen von Vereinen und Firmen anstanden. „Geplant und investiert wurde schon 2019 mit großem Aufwand“, sagt er.

Doch dann folgte im April und Mai 2020 die große Ernüchterung in Form erster Absagen und Stornierungen von Großveranstaltungen. Dennoch sei er zu jenem Zeitpunkt noch zuversichtlich gewesen, dass bald alles wieder weitergehen würde. Doch so kam es nicht. Im Frühjahr 2021 seien, nach gestiegenen Corona-Fallzahlen, noch mehr Events abgesagt worden, sogar Kleinveranstaltungen. Wieder sei es zu Stornierungen gekommen, „aber diesmal ohne jegliche Perspektiven und Zuversicht für die Zukunft“, so Hötz, der „einschneidende Schritte“ durch die Politik moniert.

Es sei zu einem Einbruch gekommen, so der Firmeninhaber. „Wir hatten in diesem Jahr keine fünf Aufträge.“ Mitarbeiter hätten entlassen werden müssen, langjährige Fachkräfte suchten sich andere Jobs, um weiter Geld verdienen und ihre Familien ernähren zu können. Aktuell habe ZELTIC noch fünf Mitarbeiter, vor Corona seien es bis zu 14 gewesen – plus Aushilfen.

Und die Politik? Die half tatsächlich. Allerdings habe es nur für die Fixkosten einen prozentualen Zuschuss gegeben, nicht für Instandsetzungs- und Wartungsarbeiten. Und die Förderung, die gewährt wurde, sei erst mit einiger Verzögerung eingegangen. Was die Abgeordneten aus dem Enzkreis angeht, findet Klaus Hötz, der noch immer verärgert ist, nur für die FDP-Politiker Dr. Hans-Ulrich Rülke und Professor Dr. Erik Schweickert lobende Worte. Alle anderen angeschriebenen Adressaten „reagierten auf die Anliegen der Firma nicht einmal“.

Sein Los teilen auch Mitbewerber, weiß Hötz. „Viele in unserer Branche haben aufgehört.“ So schlimm ist die Lage bei ZELTIC nicht, doch für den Chef ist klar: „Wenn es so weitergeht, wird es richtig eng für uns.“ Von Weihnachten bis April würden ohnehin kaum Feste veranstaltet, was bedeute, dass bis etwa Mitte Mai eine lange Ruhepause zu erwarten sei. Normalerweise wären um die jetzige Zeit die Auftragsbücher schon voll, doch in Zeiten der Pandemie ist nichts normal. „Wir haben noch keine Aufträge fürs nächste Jahr“, stellt Klaus Hötz bedauernd fest. Mittelfristig ruht seine Hoffnung auf 2025, wenn wieder Jubiläen fällig sind – und hoffentlich auch gefeiert werden können. Bis Frühling 2022 „sind wir vielem noch ausgeliefert“. Aber „dennoch sind wir bestrebt, das traditionelle Familienunternehmen aufrechtzuerhalten“, zeigt er sich entschlossen. Motto: „Kopf hoch und durch“.

850 Besucher zulässig

An diesem Samstagabend, 11. September, findet auf der Aktionswiese in den Enzgärten ein Hardrock-Zelt-Konzert des Jugendraums Großglattbach mit der Gruppe „Extasy Pure Rock“ statt. Unterstützt wird die Band auch von früheren Mitgliedern. Einlass ist ab 18 Uhr. Aufgrund der aktuellen, gelockerten Regelung sind, wie Erster Vorsitzender Patrick Beisser sagte, nicht nur rund 600 Besucher zulässig, sondern 850. Allerdings gelten nach wie vor Maskenpflicht und 3-G-Regel. Ein Vorteil sei, dass der Jugendraum nun auch noch Tickets an der Abendkasse verkaufen dürfe. Mit dem Vorverkauf „sind wir zufrieden“, erklärte der Vorsitzende am Donnerstag gegenüber unserer Zeitung, doch seien nach wie vor Karten zu haben. ts

„Alarmstufe rot“! Die Firma ZELTIC Mietservice strahlt ihr Areal an, um auf die bedrohliche Situation der Branche durch die Corona-Pandemie hinzuweisen.Foto: Fotomoment

„Alarmstufe rot“! Die Firma ZELTIC Mietservice strahlt ihr Areal an, um auf die bedrohliche Situation der Branche durch die Corona-Pandemie hinzuweisen.Foto: Fotomoment

Veranstalter Klaus Hötz leidet wie viele andere seiner Branche unter den Auswirkungen der Pandemie.

Veranstalter Klaus Hötz leidet wie viele andere seiner Branche unter den Auswirkungen der Pandemie.

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