Das Ziel: ein stabiles Team vor Ort

Mühlacker

Der Kreißsaal am RKH Krankenhaus Mühlacker soll 2021 wieder den Betrieb aufnehmen. Regionaldirektor Dr. Felix Mayer äußert sich zum Stand der Planungen und zur bereits laufenden Suche nach Hebammen.

Wann nimmt der legendäre Storch wieder Kurs auf Mühlacker und liefert im Kreißsaal des dortigen Krankenhauses Nachwuchs ab? Leserfoto: Robert Wolfsegger

Wann nimmt der legendäre Storch wieder Kurs auf Mühlacker und liefert im Kreißsaal des dortigen Krankenhauses Nachwuchs ab? Leserfoto: Robert Wolfsegger

Von Carolin Becker

Wie sieht der Zeitplan zur Reaktivierung des Mühlacker Kreißsaals aus?

Die internen Planungen sind auf das Ziel einer Wiederaufnahme des Kreißsaalbetriebs im vierten Quartal 2021 ausgerichtet. Bis zur Wiedereröffnung sind neben baulichen Sanierungsmaßnahmen unter anderem auch Beschaffungen im Bereich modernster Medizintechnik notwendig. Im Zusammenhang mit einer zwischenzeitlich etablierten, standortübergreifenden Leitungs- und Organisationsstruktur der RKH-Kreißsäle sind neben Standardisierungen von Prozessen, aufbauend auf den bereits heute etablierten Abläufen innerhalb unserer Kreißsäle, auch die Vereinheitlichung des Qualitätsmanagements oder auch interdisziplinäre Qualifizierungsmaßnahmen notwendig.

Läuft die Suche nach Personal bereits?

Die Suche nach qualifiziertem Personal läuft bereits seit Langem und fortlaufend weiter. Die in den letzten Monaten erfolgreich für den Kreißsaal in Mühlacker gewonnenen Hebammen werden bereits heute an den RKH Kliniken in Ludwigsburg und Bietigheim in die RKH-weit geltenden Standards eingearbeitet und auf ihre wichtige Rolle in Mühlacker vorbereitet. Bis zur Wiedereröffnung wird die Personalakquise weiter forciert mit der Zielsetzung, ein stabiles Team vor Ort in Mühlacker verfügbar zu haben. Interessierte Hebammen, die uns bei der Realisierung dieses nicht alltäglichen Projekts unterstützen und sich aktiv einbringen wollen, sind jederzeit gerne willkommen.

Wie werden Sie sicherstellen, dass nicht wie 2019 ein personeller Engpass bei den Hebammen zur Schließung führt?

Oberstes Ziel im Zusammenhang mit einer Wiedereröffnung unseres Kreißsaals ist es, dass ein stabiler und auf Dauer ausgelegter Betrieb sichergestellt werden kann. Schließungen beispielsweise aufgrund von kurzfristigen Personalausfällen müssen tunlichst vermieden werden. Aus diesem Grund ist ein kritischer Personalstamm, das heißt eine ausreichende Anzahl qualifizierter Hebammen aufzubauen, der auch kurzfristigen Engpässen und Ausfällen zum Beispiel aufgrund von Krankheit Stand hält beziehungsweise solche adäquat kompensieren kann.

Warum ist es wichtig, das Angebot wieder in Mühlacker zu verankern?

Bis zur Schließung des Kreißsaals in Mühlacker erfuhr dieser regen Zuspruch aus der Bevölkerung und war eine feste Anlaufstelle für werdende Mütter der Stadt Mühlacker und der Region. Diese Lücke wollen wir nun wieder schließen und Schwangeren im Raum Mühlacker das Angebot unterbreiten, ihr Kind vor Ort, wohnortnah und in bekannter Umgebung zur Welt zu bringen.

Wie schwierig wird es sein, Paare, die sich mittlerweile umorientiert haben, wieder für Mühlacker zu begeistern?

Wir hoffen, dass wir nach einer Wiedereröffnung schnell Vertrauen bei werdenden Müttern zurückgewinnen können. Ein angenehmes, persönliches Ambiente, modernste Ausstattung und eine hoch qualifizierte interdisziplinäre Betreuung der Gebärenden unter Berücksichtigung modernster geburtshilflicher Standards sollen hierzu einen entscheidenden Beitrag leisten, schwangere Frauen wieder für den Kreißsaal in Mühlacker zu gewinnen und zu begeistern.

Wie viele Geburten gab es 2020 in Mühlacker?

Aufgrund der derzeitigen Schließung des Kreißsaals am Krankenhaus Mühlacker fanden 2020 bisher nur 19 Geburten statt, darunter 15 geplante Kaiserschnitte und vier Babys, die es etwas eiliger hatten.

Wie beziffern Sie die Chancen auf ein Mühlacker Neujahrsbaby 2022?

Stand heute sehen wir sehr gute Chancen hierfür. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die selbst gesteckten Ziele und den Zeitplan einzuhalten. Es gibt noch einiges zu tun und Vorkehrungen zu treffen. Aber wir befinden uns insgesamt auf einem guten Weg. Verläuft alles planmäßig, gehören die ersten Schreie neugeborener Kinder bald wieder zur allgemeinen Geräuschkulisse am Krankenhaus in Mühlacker. Und darauf freuen wir uns bereits heute sehr.

Kreißsaal Mühlacker:

Da in den Enzkreis-Kliniken Mühlacker im Juni 2019 wegen Personalmangels der Kreißsaal schließen musste, hat es hier 2020 zum ersten Mal seit langer Zeit kein Neujahrsbaby gegeben. Bis zur Schließung des Kreißsaals waren im Jahr 2019 in Mühlacker 163 Kinder zur Welt gekommen, doch nachdem schon Anfang des Vorjahres zwei neu ausgebildete Hebammen schwanger wurden, zwei ihrer Kolleginnen längerfristig erkrankten und zwei weitere kündigten, blieb für die Geburtshilfe nur eine Zwangspause.

Nun sind die Verantwortlichen ihrem Ziel, den Kreißsaal wieder in Betrieb zu nehmen, deutlich näher gekommen. Wer künftig in Mühlacker seinen ersten Schrei tut, weiß sich in guter Gesellschaft. An Neujahr 1986 beispielsweise kam dort der ehemalige Fußballprofi Marko Pischorn zur Welt. Ebenfalls ein Mühlacker Neujahrsbaby ist die Schauspielerin Maike Billitis, die im „Marienhof“ populär wurde. (red)

Regionaldirektor Dr. Felix Mayer. Foto: Archiv

Regionaldirektor Dr. Felix Mayer. Foto: Archiv

(Foto: Norbert Kollros mediko@web.de)

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