„So etwas macht man nicht telefonisch“

Lokalsport

Der Ball ruht, doch die Vereine müssen sich für die nächste Saison rüsten. Das fängt bei der Trainerposition an. Das Mühlacker Tagblatt gibt einen Überblick, wie es in dieser Hinsicht bei den hiesigen Clubs aussieht – heute zunächst im Fußballkreis Pforzheim.

Trotz des Lockdowns gilt es für die Vereine, auf der Trainerposition Klarheit für die Zukunft zu schaffen. Archivfoto: Huber

Trotz des Lockdowns gilt es für die Vereine, auf der Trainerposition Klarheit für die Zukunft zu schaffen. Archivfoto: Huber

Von Lukas Huber

Enzkreis. Ob in dieser Saison noch einmal ein Amateur-Fußballspiel in der Region angepfiffen wird, ist auch nach den jüngsten Beschlüssen der Bund-Länder-Runde mehr als ungewiss. Und während die Verbände aus Baden (bfv) und Württemberg (wfv) sich mit möglichem Re-Start- beziehungsweise Abbruchsszenario beschäftigen (wir berichteten), richtet sich bei den Vereinen allmählich schon der Blick auf die nächste Runde. Denn obwohl noch niemand weiß, wie die Corona-Lage sich bis zum Sommer entwickeln wird, müssen die Verantwortlichen die Planungen aufnehmen. Dabei ist die Position des Trainers von zentraler Bedeutung.

Das Mühlacker Tagblatt gibt einen Überblick darüber, wer bei welchem Club in und um Mühlacker an der Seitenlinie steht und wie der Stand der Dinge im Hinblick auf die Zukunft ist. In dieser Ausgabe geht es dabei zunächst um die Teams im Fußballkreis Pforzheim (bfv), demnächst um die im Bezirk Enz-Murr (wfv).

FV Knittlingen

Seit 2018 sind Alexander Zimmermann und Alexander Genthner für die Mannschaft des FV Knittlingen zuständig. Mit der abgebrochenen vergangenen Saison gelang der große Coup: die Meisterschaft in der Kreisklasse A1 Pforzheim und der damit verbundene Aufstieg in die Kreisliga. Dort hat sich der Neuling, der 14. im Feld der 18 Teams ist, in den ersten neun Begegnungen (drei Siege, zwei Unentschieden, vier Niederlagen) respektabel geschlagen. Trotzdem ist noch unklar, ob das Duo weitermacht. Das liegt daran, dass es Corona-bedingt noch keine Gespräche gegeben hat. „Wir haben zuletzt alle Vereinsaktivitäten heruntergefahren“, erklärt der sportliche Leiter Jens Lang, der mit seinen Mitstreitern aber die Saisonplanung demnächst angehen will. „Ich denke, dass wir in Bezug auf die Trainer dann Mitte März auskunftsfähig sein werden.“

SpVgg Zaisersweiher

Jürgen Widmann war von Anfang 2010 bis Sommer 2015 Trainer bei der SpVgg, feierte 2012 mit dem Team den Kreisliga-Aufstieg und wechselte nach dem Abstieg 2015 zum SV Sternenfels. Zwei Jahre später zog es ihn dann wieder zurück, und auch in seiner zweiten Amtszeit beim A1-Ligisten erlebt er seither eine recht erfolgreiche Zeit. Zwar verpasste die Mannschaft mit dem Saisonabbruch im vergangenen Jahr als Tabellenzweiter den Aufstieg nur knapp, doch auch in dieser Spielzeit spielt sie wieder ganz vorne mit. 21 Zähler hat die Truppe in den ersten acht Partien geholt und rangiert nur wegen des schlechteren Torverhältnisses hinter Spitzenreiter 1. FC Kieselbronn.

Damit ist es nicht verwunderlich, dass der Verein auch weiterhin auf Widmann bauen will. „Ein Trainerwechsel würde angesichts der Tabellenlage sicherlich keinen Sinn machen“, sagt der Vorsitzende Axel Brüstle, allerdings habe es wegen der Kontaktbeschränkungen noch keine Verhandlungen gegeben. „So etwas macht man ja nicht telefonisch“, sagt Brüstle, der auf Lockerungen hofft, so dass sich die Funktionäre bald mit Widmann austauschen und die Trainerfrage klären können.

FC Viktoria Enzberg

Der Aufsteiger aus Enzberg hat bereits Anfang des Monats Fakten geschaffen und sich mit Coach Sascha John auf eine weitere Zusammenarbeit bis Sommer 2022 verständigt (wir berichteten). Wie Spielleiter Andreas Rudy sagte, verstehe sich John prächtig mit der Mannschaft und außerdem sprechen die sportlichen Erfolge für ihn: Nach der Meisterschaft in der B-Klasse startete der A-Liga-Rückkehrer stark in die neue Runde und holte bis zum Abbruch Ende Oktober 19 Zähler. Das bedeutet den dritten Platz.

Kontinuität gibt es auch bei den Frauen, die in der Kleinfeld-Landesliga um Punkte kämpfen. Dort wird weiterhin Sven Graf für die Mannschaft verantwortlich sein.

SG Ölbronn-Dürrn

„Unser Trainer-Duo wird nach dieser Runde weitermachen“, kündigt SG-Spielleiter Matthias Bastian an. Erst im vergangenen Sommer hatten Timo Penzinger und Tobias Herzog die Nachfolge von Norbert Volsitz angetreten, und Bastian ist von der Konstellation nach wie vor überzeugt. „Es passt menschlich, aber auch fußballerisch“, sagt er und bedauert, dass das junge Team nach acht Spielen (17 Zähler ) mit einem Vier-Punkte-Rückstand zur Spitze nur auf dem fünften Rang der Kreisklasse A1 Pforzheim steht. In manchen Partien habe man Punkte schlichtweg leichtfertig verschenkt, die Trainer treffe da keine Schuld. Insofern sollen Penzinger und Herzog die Truppe weiterentwickeln, so bald der Ball wieder rollen darf – und dann will die SG Ölbronn-Dürrn auch wieder ganz oben angreifen. „Wir haben eine junge Mannschaft, die viel Qualität besitzt“, ist der Spielleiter überzeugt.

Sportfreunde Mühlacker

„Ich gehe davon aus, dass wir weitermachen wie bisher“, sagt Sportfreunde-Spielleiter Jan Blutbacher auf die Frage, ob Ehab Ahmad auch in der kommenden Saison die erste Mannschaft trainieren wird. Allerdings stünden die Gespräche noch aus. Pandemie-bedingt habe es dafür bislang noch keine Gelegenheit gegeben.

Vom Trainer ist Blutbacher trotzdem überzeugt, denn er habe die Mannschaft Ende 2018 übernommen, als es nicht gut gelaufen war. Damals steckten die Sportfreunde im Abstiegskampf und wendeten den Gang in die B-Klasse unter Ahmad ab. In der Saison 2019/20 waren gute Ergebnisse erneut rar, was auch an vielen verletzten Spielern lag. In dieser Saison waren dann so gut wie alle wieder fit, und der A-Ligist spielte sich bis zum Abbruch auf den sechsten Platz. „Da hat man gesehen, was möglich ist mit einem ausgeglichenen Kader“, sagt der Spielleiter, der auch von einem guten Verhältnis zwischen Spielern und Coach berichtet. Gleiches gelte auch für den Assistenten Selim Demirdag, der nach dem Wunsch der Vereinsführung ebenfalls weitermachen soll.

SG 08 Hellas Mühlacker

Bei der SG 08 Hellas Mühlacker, die sich erst im vergangenen Jahr gebildet hat, ist hinsichtlich der Saisonplanung ebenfalls noch nicht viel passiert. „Wir hängen zwischen Mittelfeld und Abstieg“, bemerkt 08-Vorsitzender Sergio de Sousa, der sich in Bezug auf die Trainerfrage noch nicht ganz festlegen will. Denn noch sei überhaupt nicht klar, wie die Runde für die Truppe von Dimitrios Paltoglu und Domenico Lombardi ausgehen wird. Aktuell ist sie Elfter und nur zwei Zähler von der Gefahrenzone entfernt. Sollte die Klasse gehalten werden, sieht de Sousa „überhaupt keine Gründe, das Trainer-Team auszutauschen“. Ein mögliches Szenario ist aber, dass der Ball im Frühjahr noch einmal rollt, die Vorrunde vollends absolviert wird – und die SG noch abrutscht. „Würden wir absteigen, wäre die Situation natürlich eine andere“, sagt Sergio de Sousa, „dann müssten wir neu überlegen.“

TSV Ötisheim

„Bei uns ist alles klar“, sagt Thomas Barho, der die Fußballabteilung des TSV leitet. Trainer wird demnach in der nächsten Runde Raphael Kemmer sein. Wie berichtet, wurde der frühere Spieler des FV Öschelbronn schon vergangenen Sommer verpflichtet, doch aus familiären Gründen stand er in den ersten Monaten bis zum Lockdown nicht zur Verfügung. Vertreten wurde er in dieser Zeit von Ex-Spieler Thorsten Barho und Marco Keller, der nach wie auf dem Platz steht. Seit Januar sei Kemmer nun bereit, sagt Barho im Hinblick auf einen möglichen Re-Start, bei dem die Verbände versuchen wollen, die Vorrunde über die Bühne zu bringen und auf der Basis Auf- und Absteiger auszuweisen. Kommt es dazu, wäre es nicht ausgeschlossen, dass Ötisheim am Ende den Gang in die B-Klasse antreten muss, denn die Mannschaft steht aktuell nur einen Punkt vor dem Türkischen SV (6) und damit vor dem ersten von drei Abstiegsrängen. Bleibt der TSV in der Liga, so lautet das Ziel für die kommende Runde, einen Platz im Mittelfeld zu erreichen. „Wir sind in den vergangenen Jahren oftmals hinten reingerutscht, das wollen wir künftig vermeiden“, sagt der Funktionär.

Was die Frauenmannschaft betrifft, wird nach Angaben von Thomas Barho wohl Marco Keller als Coach weitermachen. „Die Aufgabe macht ihm viel Spaß und der Erfolg gibt ihm recht.“ In der Landesliga Mittelbaden belegt das Team derzeit den fünften Platz, nur fünf Zähler hinter dem Spitzenreiter FV Ettlingenweier.

Türkischer SV Mühlacker

Zufrieden ist beim Türkischen SV niemand mit den Resultaten der bisherigen A-Klassen-Runde. In acht Spielen hat das Team nur einmal gewonnen, zwei Unentschieden geholt und fünfmal verloren. Macht insgesamt fünf Zähler, was Rang 14 und damit einen Abstiegsplatz bedeutet.

Grund für einen Trainerwechsel sieht der Vorsitzende Recep Coskun allerdings keineswegs: „Wir stehen natürlich gerade in der Tabelle nicht so gut da, aber wir hatten auch viel Pech.“ Der Coach trage keine Schuld an den schlechten Ergebnissen, stärkt er Hüsnü Gür den Rücken, der die Mannschaft im Sommer übernommen und einen Vertrag bis 2022 hat. „Wir planen langfristig“, so Coscun, der vor hat, den Kader im Sommer zu verändern. „Wir arbeiten gerade an Neuverpflichtungen, aber noch ist da nichts spruchreif.“

Dass das abstiegsbedrohte Team – sollte der Spielbetrieb noch einmal aufgenommen werden – den Gang in die B-Klasse antreten muss, daran glaubt der Club-Chef nicht. Seiner Meinung nach stecke dank guter Einzelspieler genügend Qualität im Kader, um die Klasse zu halten.

FV Lienzingen

„Wir wollten uns eigentlich in der Winterpause zusammensetzen, aber momentan macht das wegen der Corona-Beschränkungen keinen Sinn“, sagt der Lienzinger Sport-Vorstand Lothar Bergtold in Bezug auf die Planungen für die kommende Runde. Demnach könne er auch noch keine Auskunft darüber geben, ob Michael Horntrich, der beim FVL seit 2016 an der Seitenlinie steht und dessen Vertrag Ende der Runde ausläuft, weitermacht.

Klar ist, dass es bisher in dieser Spielzeit sportlich alles andere als gut lief für die Horntrich-Elf. Das Team steht derzeit mit nur einem mageren Punkt auf dem letzten Tabellenplatz der A1-Klasse, und sollte nur die Vorrunde beendet und dann gewertet werden, droht der Abstieg. Um ihn abzuwenden, würden in diesem Szenario nur sieben Spieltage übrigbleiben.

TSV Maulbronn

„Es ist noch nichts spruchreif“, sagt Adrian Kienle, Spielleiter des derzeitigen Tabellenersten der Kreisklasse B1 Pforzheim, im Hinblick auf die Vertragsverlängerung von Coach Uli Huber. Allerdings sehe es ganz danach aus, dass er auch in der kommenden Runde beim TSV Maulbronn an der Seitenlinie stehen wird. „Wir sind uns einig, dass die Zusammenarbeit super ist“, sagt Kienle und bezieht dies nicht nur auf den sportlichen Erfolg. „Auch die Spieler sind mit dem Trainer sehr zufrieden.“ Die finale Entscheidung werde wohl in den kommenden Wochen fallen. In dieser Zeit seien auch Gespräche mit potenziellen Neuzugängen geplant.

Alexander Zimmermann (li.) und Alexander Genthner trainieren den Kreisligisten FV Knittlingen. Foto: privat

Alexander Zimmermann (li.) und Alexander Genthner trainieren den Kreisligisten FV Knittlingen. Foto: privat

Jürgen Widmann (SpVgg Zaisersweiher). Foto: Huber

Jürgen Widmann (SpVgg Zaisersweiher). Foto: Huber

Sascha John (Viktoria Enzberg). Foto: Schüller

Sascha John (Viktoria Enzberg). Foto: Schüller

(Foto: Schüller, Mühlacker Tagblatt)

Ehab Ahmad (Sportfreunde Mühlacker). Foto: privat

Ehab Ahmad (Sportfreunde Mühlacker). Foto: privat

Hüsnü Gür (Türkischer SV Mühlacker). Foto: Fotomoment

Hüsnü Gür (Türkischer SV Mühlacker). Foto: Fotomoment

Michael Horntrich (FV Lienzingen). Foto: Schüller

Michael Horntrich (FV Lienzingen). Foto: Schüller

(Foto: S. Schüller, Mühlacker Tagblatt)

Uli Huber (TSV Maulbronn). Foto; Schüller

Uli Huber (TSV Maulbronn). Foto; Schüller

(Foto: Schüller, Mühlacker Tagblatt)

Artikel empfehlen