Amateur-Fußballsaison fortsetzen oder abbrechen? Verlierer gibt es in beiden Szenarien

Lokalsport

Die Fußballverbände hoffen nach wie vor darauf, dass wenigsten die Hälfte der Ligaspiele absolviert und auf dieser Basis Auf- und Absteiger ermittelt werden können. Die Alternative wäre der Abbruch. Anhand von zwei Mannschaften aus der Region zeigt das Mühlacker Tagblatt beispielhaft, was für Gewinner und Verlierer es im jeweiligen Szenario geben würde.

Sollte in dieser Saison noch einmal der Ball rollen, dann werden im Sinne des Infektionsschutzes auf den Fußballplätzen wie schon vor dem Lockdown ganz bestimmt strenge Hygienekonzepte gelten. Ob und wie viele Zuschauer dann zugelassen werden, bleibt dabei auch noch abzuwarten.Archivfoto: Huber

Sollte in dieser Saison noch einmal der Ball rollen, dann werden im Sinne des Infektionsschutzes auf den Fußballplätzen wie schon vor dem Lockdown ganz bestimmt strenge Hygienekonzepte gelten. Ob und wie viele Zuschauer dann zugelassen werden, bleibt dabei auch noch abzuwarten.Archivfoto: Huber

Von Lukas Huber

Enzkreis. Mit der Fairness ist das in Zeiten der Corona-Pandemie so eine Sache. Die Einschränkungen sorgen dafür, dass die Verbände irgendwann Fakten schaffen müssen, und egal wie die Entscheidung ausfallen wird, am Ende gibt es Gewinner und Verlierer. Im Fußball haben die Verantwortlichen in Baden (bfv) und Württemberg (wfv) im Gegensatz zu Funktionsträgern in vielen anderen Sportarten noch nicht endgültig beschlossen, wie es mit der aktuellen Saison von der baden-württembergischen Oberliga abwärts weitergeht, die vor dem Lockdown erst zu ungefähr einem Drittel über die Bühne gebracht worden ist. Klar ist allerdings, dass sie nicht mehr komplett absolviert werden kann, weil die Zeit dafür bis zum formalen Rundenende am 30. Juni – auch mit Verlängerung bis 15. Juli – nicht mehr ausreicht.

Doch die Flinte ins Korn werfen wollen bfv und wfv trotz aller Ungewissheit im Hinblick auf einen möglichen Re-Start-Zeitpunkt derzeit noch nicht, denn wie in der vergangenen Woche berichtet, gilt es durchaus noch als möglich, wenigstens die Hinserie vollends auszuspielen. Dafür müsste der Spielbetrieb nach der Rechnung der Württemberger bis spätestens zum 9. Mai wieder aufgenommen werden. Die Corona-Verordnung Sport, die derzeit den Amateur-Mannschaftssport verbietet, müsste aber schon ein paar Wochen vorher gelockert werden, damit sich die Teams noch angemessen vorbereiten können. Dann, so der Hintergedanke der Verbands-Funktionäre, soll jeder einmal gegen jeden antreten – und so könnte man auf einer zumindest halbwegs soliden Basis die Auf- und Absteiger ermitteln.

Sollte sich die Corona-Lage jedoch nicht entspannen und es demnach keine Lockerungen geben, wird wie schon im vergangenen Jahr der Abbruch nicht mehr zu verhindern sein. Mit dem Unterschied, dass damals die Rückserie bereits angebrochen war und folglich mehr als die Hälfte der Begegnungen stattgefunden hatten. Im aktuellen Fall ist das nicht so, und so müssten nach den Statuten die bisherigen Ergebnisse annulliert werden.

Nun wird in der Szene heiß diskutiert, inwiefern diese beiden Szenarien überhaupt fair sind. Und dabei wird deutlich, dass die Ansichten, je nach der sportlichen Situation einer Mannschaft, auseinandergehen können. Argumente gibt es durchaus in beiden Lagern. Komplett unterschiedlich sind zum Beispiel die Ausgangslagen der SpVgg Zaisersweiher und des FV Lienzingen in der Kreisklasse A1 Pforzheim. Die SpVgg steht auf dem zweiten Platz, ist – bei einem etwas schlechteren Torverhältnis – punktgleich mit dem 1. FC Kieselbronn und damit dick im Rennen um den Aufstieg in die Kreisliga vertreten. Da überrascht es keineswegs, dass Trainer Jürgen Widmann die Vorrunde unbedingt zu Ende spielen will. „Wir wollen auf den Platz und aufsteigen“, sagt er klipp und klar, hielten sich seine Spieler doch nun schon seit vielen Wochen im Kraftraum zu Hause oder draußen beim Joggen fit. Ob dabei andere Mannschaften benachteiligt werden, das will er nicht bewerten. „Wir müssen nach uns schauen“, so die Meinung des Coachs, der darauf hinweist, dass seine Truppe schon infolge des Abbruchs im vergangenen Jahr den Sprung in die höhere Spielklasse nur um ein Haar verpasst habe, obwohl die Chance unter normalen Umständen groß gewesen wäre.

Der FV Lienzingen, der am Anfang mit Verletzungspech zu kämpfen hatte und unter anderem deshalb mit nur einem Zähler Letzter ist, hat ganz andere Sorgen. Sollte auf Basis der Hinrunde gewertet werden, blieben dem Team, das inzwischen wieder nahezu vollzählig ist, nur sieben Spiele, um den Abstieg zu verhindern. „Das ist natürlich nicht fair“, findet Trainer Michael Horntrich, der aber weiß, dass es in beiden Szenarien Gewinner und Verlierer gibt. Für den FVL sei sicherlich die Annullierung mit dem verbundenen sicheren Klassenerhalt besser, aber: „Ich möchte nichts geschenkt bekommen und würde die Herausforderung annehmen.“ Die aktuelle Situation, in der man in allen Lebensbereichen Abstriche machen müsse, sei außergewöhnlich. Daher könnte sich Horntrich auch damit arrangieren, wenn nur die Vorrunde gespielt wird. „Dann hätten wir eine sehr schwere Aufgabe zu bewältigen, aber ich bin überzeugt davon, dass wir nicht absteigen werden.“

Sollte es Lienzingen schaffen, sich aus der Gefahrenzone zu kämpfen, so geht es für einen anderen Verein eine Etage tiefer. In der A-Klasse sind noch unter anderem der Türkische SV Mühlacker (14. Platz, fünf Punkte), der TSV Ötisheim (13., 6) und die SG 08 Hellas Mühlacker (11., 7) abstiegsbedroht. Und im Rennen um den Titel ist noch Aufsteiger Viktoria Enzberg als Tabellendritter (zwei Zähler Rückstand) dabei, der hofft, dass es weitergeht. Ähnlich sieht es beim TSV Maulbronn aus, der die B1-Klasse Pforzheim anführt und sich das Ziel des Aufstiegs gesetzt hat.

Potenzielle Aufsteiger im Bezirk Enz-Murr gibt es aus dem Raum Mühlacker hingegen aktuell nicht wirklich. Die meisten Teams, beispielsweise der TSV Phönix Lomersheim (7., 12) in der Bezirksliga, stehen im Mittelfeld des Klassements. Am aussichtsreichsten platziert ist noch der SV Iptingen in der Kreisliga A3 als Dritter, wobei es zur Spitze sechs Zähler unterschied sind und diese in sieben Spielen nur schwer aufzuholen sein dürften. Eventuell auf die Abstiegsplätze abrutschen könnte noch der SV Illingen, den nur ein Zähler von der heißen Zone trennt.

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