Unterwegs mit Ingeborg Bachmann

Kultur

Hundert Jahre nach ihrer Geburt bleibt die Autorin präsent, obgleich sie sich allen Zuschreibungen entzieht. Und das ist nicht die einzige paradoxe Erfahrung, wenn man ihr folgt.

Unverändert eine der gegenwärtigsten Stimmen der zeitgenössischen Literatur: Ingeborg Bachmann

Unverändert eine der gegenwärtigsten Stimmen der zeitgenössischen Literatur: Ingeborg Bachmann

(Foto: Kurt Husnik)

Böhmen liegt am Meer, zumindest seit Ingeborg Bachmann in einem ihrer schönsten Gedichte diese etwas irreführende Behauptung Shakespeares als poetologischen Rettungsanker im Schiffbruch ihres Lebens ergriffen und damit auf eigene Weise beglaubigt hat. Hinter ihr liegt das endgültige Scheitern ihrer Beziehung zu Max Frisch. Doch das qualvolle Zugrundegehen verbindet sich im Bild jenes geografischen Unorts mit einer gegenläufigen Bewegung, die den Verlust an ein Finden knüpft. „Ich will nichts mehr für mich. Ich will zugrunde gehen. / Zugrund – das heißt zum Meer, dort find ich Böhmen wieder.“ Etwas auf den Grund zu gehen, kann bedeuten, erst damit seiner Wahrheit teilhaftig zu werden, auch wenn diese über gesetzte Grenzen hinausführt. „Zugrund gerichtet, wach ich ruhig auf. / Von Grund auf weiß ich jetzt, und ich bin unverloren.“ Wer den Weg zu der 1926 in Klagenfurt geborenen Ingeborg Bachmann finden will, deren hundertster Geburtstag am 25. Juni dazu Anlass geben könnte, muss paradoxen Erfahrungen gewachsen sein.

Wir freuen uns, dass Sie sich für einen logo Artikel interessieren. Jetzt registrieren und weiterlesen.

  • Alle Webseiteninhalte
  • Inklusive aller logo Artikel
  • Jederzeit kündbar

Sie sind bereits Abonnent? Hier einloggen