Vertrauensfrage

Kommentar

Fortschritte in der Ziegelei – und neue Fragen zur Zukunft der Firma Craiss.

Vertrauensfrage

Von Thomas Eier

Als die Immobiliengesellschaft des letzten Ziegelwerke-Betreibers 2017 – acht Jahre nach Einstellung der Produktion und drei Jahre nach dem Abriss – ihre Planungen für das Areal wie eine heiße Kartoffel fallenließ und es der Stadt zum Kauf anbot, war das ein Schock. Doch der vermeintliche Rückschlag könnte sich als Glücksfall erweisen; allein deshalb, weil die klamme Kommune – sozusagen als Zwischenhändler – mit dem Weiterkauf stattliche 4,5 Millionen Euro einnimmt, die angesichts der Vielzahl an Aufgaben höchst willkommen sind. Gleichzeitig ist die Zuversicht, dass die Hofkammer Projektentwicklung GmbH der richtige Partner für das Mammutprojekt ist, seit dem Zuschlag im Herbst 2019 nochmals gewachsen.

Die Chemie stimmt, betonen Verwaltungsspitze und Investor, der in diesem Fall nicht im fernen Berlin oder im Ausland, sondern wenige Kilometer entfernt in Schloss Monrepos residiert. Nach diversen Negativerfahrungen – von der gescheiterten Mühlehof-Modernisierung bis zum Luftschloss eines neuen Einkaufszentrums am Kelterplatz – hat unterm Sender das Vertrauen in private Projektentwickler gelitten, und umso wichtiger ist, dass die Ziegelei, die als zentrales Element der weiteren Stadtentwicklung gilt, in guten Händen liegt.

Die Basis stimmt, und das gilt nicht nur für die bisherige Zusammenarbeit, sondern vor allem für den Standort des künftigen neuen Stadtteils, der für eine Mischung von Handel und Wohnen ideale Voraussetzungen bietet – verkehrsgünstig und zentral am Rand der Innenstadt gelegen und mit der reizvollen Landschaft des Schönenberger Tals im Rücken. Ein Sahnestück, das für die Stadt weit über den reinen Verkaufserlös hinaus neue Perspektiven eröffnet.

Genau diese Perspektiven fehlen jedoch an anderer Stelle, was die allgemeine Aufbruchstimmung trübt. Die Entscheidung der Firma Craiss, den Standort an der Vetterstraße aufzugeben, wird manchen Anlieger freuen, setzt aber alle, die das 1931 gegründete Mühlacker Traditionsunternehmen auf der Gemarkung halten wollen, mächtig unter Druck: Wo soll die Firma hin?

Die Stadt, so viel steht fest, hat aktuell keine Flächen, die sie anbieten könnte, und ein neues Gewerbegebiet ist auch nicht in Sicht. So zeigt das Beispiel der Ziegelei nicht nur die Chancen, sondern auch die Tücken der Stadtentwicklung, wenn vieles mit vielem zusammenhängt.