Ungebremst

Kommentar

Die Frage des Wahltermins ist geklärt. Die Hintergründe bleiben rätselhaft.

Ungebremst

Der Fall Knittlingen beschert eine neue Erkenntnis: Wahlen können lange vor der Auszählung hochspannend sein. Beobachter haben elektrisiert auf die Entscheidung der Kommunalaufsicht gewartet und inzwischen zwei Rätsel zu lösen versucht: Wer könnte die Verletzung der Neutralitätspflicht verursacht haben, und in wessen Interesse läge es, die Wahl auszubremsen?

Rätsel eins ist nach der Mitteilung der Kommunalaufsicht gelöst. Wie bereits vermutet worden war, könnte aus einem Wortspiel des Bürgermeisters, abgedruckt im Amtsblatt, herausgelesen werden, er sei einem der Bewerber gegenüber eben nicht neutral, was er als Gemeindeorgan zu sein hat. Allerdings muss der Gesamtzusammenhang betrachtet werden, und Heinz-Peter Hopp leitet mit der betreffenden Passage über zu eher scherzhaft formulierten Slogans, die er selbst hätte anwenden können. Von böser Absicht ist da nichts zu erkennen. Zudem hat der Betreffende, Alexander Kozel, die Äußerung selbst gar nicht als Abwertung empfunden. Er, der zuerst in den Wahlkampf startete und schon viel Zeit und Geld investiert hat, konnte am wenigsten Interesse an einer möglichen Terminverschiebung haben. Auch keiner seiner Mitbewerber würde davon profitieren.

Was zu Rätsel zwei führt. Wer auch immer seine Bedenken einen Tag nach Ende der Bewerbungsfrist, aber fünf Tage nach Erscheinen des Amtsblatts vorgetragen hat, handelte damit vielleicht als um die Rechtmäßigkeit der Vorgänge besorgter Bürger. Dann aber hätte er seine Sorge früher kundtun und den Ausschuss nicht ins mehr oder weniger offene Messer laufen lassen müssen. Worum ging es wirklich? Um Taktik, um mehr Zeit für ganz neue Kandidaten zu gewinnen? Denkbar, aber unwahrscheinlich. War das Ziel schlicht und einfach, offene Rechnungen mit dem Bürgermeister zu begleichen oder – mehr noch – das ganze System auszuhebeln? Neutral wäre das nicht, sondern besorgniserregend.