Weshalb Boris Palmer den Grünen helfen könnte

Baden-Württemberg

Der Tübinger Oberbürgermeister besitzt eine Zugkraft, die in seiner Ex-Partei neben Cem Özdemir niemand aufweist. Eine Rückkehr ist machbar, aber schwierig.

Cem Özdemir (links) und Boris Palmer am Sonntagabend im Landtag.

Cem Özdemir (links) und Boris Palmer am Sonntagabend im Landtag.

(Foto: Katharina Kausche)

Er hat es wieder geschafft, viel Aufwand brauchte es nicht. Am Wahlabend zeigte sich der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer kurz im Landtag. Sodann lieferte er sich via Facebook ein kurzes Geplänkel mit der Grünen Jugend. Auch rang er sich ein paar Tränen der Empathie für die CDU ab, die den sicher geglaubten Wahlsieg so knapp verfehlt hatte: Er könne sich „in die Seele der CDU gut hineinversetzen“, hauchte der 53-Jährige in dem Bestreben, die Christdemokraten von ihrem Schmutzkampagnen-Vorwurf gegen die Grünen abzubringen. Er hält ihn nicht für berechtigt. Damit stand sofort wieder die Frage im Raum: Will Palmer Minister in einem Kabinett Özdemir werden? Er selbst antwortet in solchen Fällen: „Wieso sollte ich wollen?“ In der Antwort schwingt der Subtext mit, in Tübingen sei er ein – demokratisch gewählter – König, im Stuttgarter Kabinett nur Schleppenträger des Ministerpräsidenten. Aber natürlich darf man davon ausgehen, dass der Tübinger Aktionsraum, so pittoresk das Universitätsstädtchen sein mag, Palmers Tatendrang bei weitem nicht mehr befriedigt. Vor allem ist er bei einem größeren Teil der Wählerschaft im Südwesten sehr beliebt – nur nicht bei eher linken Grünen und eben der Grünen Jugend. Bei näherem Hinsehen handelt es sich um den einzigen Politiker im grünen Umfeld, der in der Lage wäre, bei Wahlen vergleichbare Erfolge zu erzielen wie Winfried Kretschmann oder Cem Özdemir.

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