Opfer vor dem Untergang: Der Duft von Pompejis Hausaltären

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Forscher haben Aschereste aus Räuchergefäßen untersucht, die in Pompeji verschüttet wurden. Die entdeckten Substanzen zeigen, dass die antike römische Stadt Teil eines globalen Handelsnetzwerks war.

Im Jahr 79 n. Chr. brach der Vesuv aus und verschüttete das römische Pompeji und viele weitere Orte und Villen in seiner Umgebung.

Im Jahr 79 n. Chr. brach der Vesuv aus und verschüttete das römische Pompeji und viele weitere Orte und Villen in seiner Umgebung.

(Foto: IMAGO/Depositphotos)

Von Markus Brauer

 Der Untergang von Pompeji hat auch die Asche auf den Hausaltären der Bewohner erhalten. Forscher haben erstmals wissenschaftlich untersucht, was in römischen Räuchergefäßen aus Pompeji verbrannt wurde und dabei Überraschendes entdeckt: Neben heimischen Pflanzen nutzten die Menschen auch importierte Duftstoffe aus Afrika oder Asien. Was zeigt, dass Pompeji Teil eines globalen Handelsnetzes war.

Die Katastrophe von 79 n. Chr.

Im Jahr 79 n. Chr. brach der Vesuv aus und verschüttete das römische Pompeji und viele weitere Orte und Villen in seiner Umgebung. Die Katastrophe für die damaligen Menschen ist zugleich ein Glück für die heutige Archäologie, dank der einmaligen Erhaltungsbedingungen.

So hatte sich unter anderem auch die Asche in den Räuchergefäßen erhalten, mit denen die Römer ihren Göttern Rauchopfer darbrachten. Die Asche aus zwei solchen Opferschalen aus Pompeji und einer nahegelegenen Villa wurde nun mit einer Reihe modernster Laborverfahren analysiert.

Exotische Baumharze aus Afrika oder Asien

„Wir können nun konkret zeigen, welche Düfte im pompejanischen Hauskult tatsächlich verbrannt wurden“, sagt Johannes Eber von der Universität Zürich, der die Studie leitete. „Neben regionalen Pflanzen fanden wir auch Spuren importierter Harze – ein Hinweis auf weitreichende Handelsverbindungen von Pompeji.“

Besonders bemerkenswert: In einem Gefäß wurden Reste eines exotischen Baumharzes nachgewiesen, das vermutlich aus tropischen Regionen Afrikas oder Asiens stammt.

„Molekulare Analysen deuten auch auf ein Traubenprodukt in einem der Räuchergefäße hin“, erklärt Maxime Rageot von der Universität Bonn, der die biomolekularen Untersuchungen in der Studie durchführte. „Dies würde mit der Verwendung von Wein in Ritualen übereinstimmen, die in römischen Bildern gezeigt und in Texten beschrieben wird, und zeigt gleichzeitig, wie wichtig es ist, archäologische Studien durch wissenschaftliche Analysen zu ergänzen“, so Rageot.

„Die Verbindung verschiedener aktueller chemischer und mikroskopischer Untersuchungsverfahren macht den religiösen Alltag der Menschen in Pompeji plötzlich greifbar“, erklärt LMU-Archäologe Philipp W. Stockhammer.

Weitreichendes Handelsnetz vor 2000 Jahren

Der Archäologische Park von Pompeji, der kürzlich eine neue Dauerausstellung über den Ausbruch und seine Opfer eingerichtet hat und dabei auch eine große Anzahl organischer Funde wie Pflanzenreste, Lebensmittel und Holzgegenstände präsentiert, unterstreicht die Bedeutung dieser Art von Studien.

„Ohne Pompeji wäre unser Wissen über die römische Welt weniger reich“, erläutert der Direktor des Parks, Gabriel Zuchtriegel. „Doch es handelt sich um einen Reichtum an Daten und Erkenntnissen, den nur eine nur eine zeitgemäße Archäologie angemessen erschließen kann: Dank der interdisziplinären Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaften können wir noch viel über das Leben in der antiken Stadt entdecken.“

Die Untersuchung zeigt: Pompeji war nicht nur eine römische Stadt am Vesuv, sondern Teil eines globalen Handelsnetzes, dessen Spuren sich sogar im Duft ihrer Hausaltäre nachweisen lassen.