Thema der Woche

Stabil genug?

Es gibt weitere Lockerungen – undalle hoffen, dass sie Bestand haben

Stabil genug?

Von Thomas Eier

Angesichts der Verlautbarungen aus Stuttgart können die Einzelhändler im Enzkreis und in Pforzheim für Montag den Neuanfang planen. Voraussetzung für Lockerungen auf regionaler Ebene ist eine Inzidenz, die stabil unter der Marke von 50 liegt, und diese Vorgabe ist im Zuständigkeitsbereich des Gesundheitsamtes Enzkreis eindeutig erfüllt. Die lange Zwangspause endet damit für viele Geschäfte, die dringend auf Kunden und Einnahmen angewiesen sind, schneller als gedacht – und dennoch bleibt ein gewisses Unbehagen.

Die Zuversicht, wonach ein schrittweiser Abschied von Corona-Einschränkungen gleichbedeutend sei mit einer etappenweise Rückkehr zur Normalität, hat in einem Jahr mit dem Virus kräftig gelitten, und das liegt nicht allein daran, dass die Mutanten auch hierzulande auf dem Vormarsch sind. Der zwiespältige Kurs der Politik, die einen Dauerspagat zwischen wirtschaftlichen Bedürfnissen und gesundheitlicher Vorsorge probt, trägt seinen Teil zur Verunsicherung bei. Wie stabil die relativ niedrigen Infektionszahlen sind, ließ nach dem Bund-Länder-Gipfel das hiesige Gesundheitsamt durchblicken, sei schwer zu sagen – und genauso fragil erscheinen die Zugeständnisse an Händler und Dienstleister, die ab einer Inzidenz über 50 wieder zurückschrauben und ab 100 die Notbremse ziehen müssen. Das kann, nach den Erfahrungen in der Region, ebenfalls schneller der Fall sein als gedacht.

Schnelltests hin, Schnelltests her, die eigentliche Hoffnung ruht darauf, dass endlich die Impfungen richtig beginnen und wir so das Wettrennen gegen die mutierten Viren doch noch gewinnen. Der Stotterstart in den weitgehend verwaisten Kreisimpfzentren hat nicht nur wertvolle Zeit, sondern auch Nerven gekostet und dazu noch eine Portion Vertrauen, dass unsere Regierenden die Lage im Griff und jederzeit die richtigen Strategien parat haben. Momentan wirkt vieles beunruhigend improvisiert.

Bis auf weiteres werden wir – noch mehr als im echten Lockdown, wenn sowieso alles dicht ist – auf die täglichen Fallzahlen starren, die für Bürger und Betriebe gleichsam als Dogma wirken. Wir müssen den Spagat, den die Politik vorturnt, mitmachen, indem wir ausgiebig shoppen gehen, um den örtlichen Handel zu stützen, gleichzeitig aber tunlichst alles vermeiden, was die Inzidenz nach oben treiben und den Hauch von Alltag wieder gefährden könnte. Zumal viele andere, vom Gastronomen bis zum Hobby-Fußballer, weiter warten müssen.

Fazit: Ab Montag greifen zwar neue Lockerungen, aber wirklich lockerer dürfte sich deshalb kaum einer fühlen.