So viel Unruhe herrscht wegen Marco Rose

Sport

Scheidungsdrama bei Borussia Mönchengladbach: Trainer Marco Rose geht im Sommer zu Borussia Dortmund, die Fanherzen leiden – und das Spiel des Jahres gegen Manchester City rückt in den Hintergrund.

Sagt im Sommer Tschüss: Gladbachs Trainer Marco Rose

Sagt im Sommer Tschüss: Gladbachs Trainer Marco Rose

(Foto: Foto: dpa/Torsten Silz)

Von Marco Seliger

Stuttgart/Budapest - Auf Jonas Hofmann ist Verlass. Wenn ihn etwas aufregt, dann sagt das der Nationalspieler von Borussia Mönchengladbach auch. Das war zu hören, als er Mitte Januar nach dem 2:2 beim VfB Stuttgart nach umstrittenem Foulelfmeter für den VfB in der Nachspielzeit tobte und unter anderem von „einer absoluten Frechheit“ sprach. Und das war jetzt wieder zu hören, als Hofmann (28) zunächst „großen Respekt vor der Lebensentscheidung“ seines Trainers Marco Rose äußerte.

Der wechselt zur kommenden Saison ja zur Borussia nach Dortmund und zog sich damit den Zorn der Gladbacher Fanseele zu. „Natürlich gibt es welche, die ein bisschen enttäuscht darüber sind, weil man den Weg gerne zusammen weitergegangen wäre“, sagte Hofmann nun dazu: „Aber Marco hat ja laut seinem Vertrag keine Regeln gebrochen.“ Dann kam Hofmann in Fahrt.

Lesen Sie hier: Als der VfB Stuttgart in der Champions League gegen Lionel Messi auftrumpfte

Denn Gerüchte, wonach sich Gladbach vorzeitig von Rose trennen würde, machten ihn wütend, sagte er: „Es ärgert einen extrem, wenn solche Lügen verbreitet werden, ohne dass davon eine einzige Zeile stimmt.“ Und überhaupt, es bringe „überhaupt nichts“, sich damit zu beschäftigen, führte Hofmann aus: „Wir spielen jetzt gegen ManCity. Wer jetzt noch an den Trainerwechsel denkt, bei dem läuft irgendwas falsch.“

Ein Festtag – eigentlich

Hofmanns Botschaft war gesetzt, und es stimmt ja: Gladbach spielt jetzt, also an diesem Mittwoch um 21 Uhr, gegen Manchester City – und das lohnt sich zu erwähnen, nicht nur aus Hofmanns Sicht. Weil genau das ja zuletzt unterging: Gladbach im Achtelfinale in der Champions League, und das auch noch gegen so ein Weltteam – mehr geht kaum aus Sicht der Borussia, auch wenn das Heimspiel coronabedingt ein Auswärtsspiel in Budapest ist. Was für ein Festtag wäre das. Wenn da nur nicht der leidige Fall Rose mit all seinen Begleiterscheinungen wäre.

Lesen Sie auch aus unserem Plus-Angebot: Was ist mit dem FC Bayern los?

Die nüchternen Fakten gehen so: Marco Rose machte kürzlich von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch. Für die in seinem Vertrag verankerte festgeschriebene Ablöse von fünf Millionen Euro wechselt der 44-Jährige im Sommer zum BVB. Rose führte Gladbach in seiner ersten Saison in die Champions League und erreichte nun das Achtelfinale. Seinen Powerfußball wollen die Verantwortlichen bald auch beim BVB sehen.

Max Eberl wird deutlich

Die geballten Emotionen wiederum gehen so: Viele Gladbach-Fans (wenn auch längst nicht alle) fordern seit der Bekanntgabe des Wechsels die Trennung vom Trainer. Für die Ultras ist Rose ein Söldner, der vom Hof gejagt werden muss. Etliche Medien spekulieren über das vorzeitige Ende Roses in Gladbach. Manager Max Eberl schob dem einen Riegel vor – und wurde ebenfalls emotional. Die vulgären Kritiker in sozialen Medien bezeichnete er unter anderem als „Dumpfbacken“. Dann wurde Eberl grundsätzlich.

Lesen Sie hier: Amin Younes – ein Fußballprofi zeigt Haltung

Er sei „weiterhin zu einhundert Prozent überzeugt“, dass Rose „in der jetzigen Situation der beste Trainer für uns ist“. Natürlich könne es passieren, dass man die nächsten Spiele nicht erfolgreich gestalte, „aber selbst dann hätte ich null Komma null Zweifel daran, dass wir es als Club hinbekommen“. Was auch immer in diesen drei Monaten unter Rose noch passiere, Eberl sagte: „Es gibt keine Situation, in der ich mir nicht mehr vorstellen könnte, dass Marco bis zum Saisonende unser Trainer bleibt.“

Hartes Programm

Ein klareres Bekenntnis hätte es kaum geben können – ob das in den nächsten Wochen aber Ruhe bringt, wird sich weisen. Denn Gladbach, das in der Bundesliga nur noch Achter ist, steht vor wegweisenden Spielen. Die nächsten Partien steigen bei RB Leipzig und gegen Leverkusen. Dazwischen liegt am kommenden Dienstag das Viertelfinalspiel im DFB-Pokal – gegen Dortmund, gegen Roses künftigen Club. Brisanter geht es nicht.

Nicht ausgeschlossen also ist, dass die Gladbacher Saison binnen weniger Tage verkorkst und im Grunde beendet ist, dass alle Träume platzen. Ob es dann noch mit Rose weitergehen kann, ist offen. Denkbar aber ist es auch, dass Gladbach ein Coup gegen ManCity gelingt, dass die Borussia in der Liga die Kurve bekommt – und im DFB-Pokal gegen Dortmund weiterkommt. Alles ist möglich. Und alles bleibt spannend.

Artikel empfehlen