Brüssel sagt der „Hunde-Mafia“ den Kampf an

Panorama

Für Hunde und Katzen soll eine Chip-Pflicht gelten. Das soll die Tiere auch vor Quälereien bei der Aufzucht schützen.

Herrenlose Hunde und Katzen landen immer wieder im Tierheim. Durch eine EU-weite Chip-Pflicht sollen deren Besitzer leichter ausfindig gemacht werden können.

Herrenlose Hunde und Katzen landen immer wieder im Tierheim. Durch eine EU-weite Chip-Pflicht sollen deren Besitzer leichter ausfindig gemacht werden können.

(Foto: picture alliance / Jörg Carstensen/dpa)

Von Knut Krohn

Tierheime blicken mit Bangen auf die kommende Urlaubszeit. Als Geschenk unterm Weihnachtsbaum war das kleine Kätzchen noch zuckersüß, doch kurz vor dem Sommer stört es den familiären Ablauf bei der Ferienplanung. Bisweilen werden die Haustiere dann einfach ausgesetzt und landen im Tierheim, die aus allen Nähten platzen. Noch sind die Besitzer von herrenlosen Haustieren kaum ausfindig zu machen, das soll sich nach dem Willen der Europäischen Union aber ändern. In Zukunft sollen alle verkauften oder verschenkten Hunde und Katzen mit einem Mikrochip versehen und in einer europaweiten Datenbank registriert werden. Am Dienstag stimmte das Europaparlament in Straßburg für eine entsprechende Regelung.

Ein Meilenstein für den Tierschutz

„Diese Verordnung ist ein Meilenstein für den europäischen Tierschutz“, betont die deutsche Europaabgeordnete Manuela Ripa (ÖDP), die als Berichterstatterin des Umweltausschusses maßgeblich an den neuen Regeln beteiligt war. Für sie ist die europaweite Chip- und Registrierungspflicht aber auch ein wichtiger Schritt im Kampf gegen den illegalen Welpenhandel. Der sei ein „Problem, das großes Tierleid verursacht. Mit einheitlichen EU-Regeln schließen wir endlich viele Schlupflöcher“, erklärte Ripa, die mit dem Kompromiss allerdings nicht ganz zufrieden ist. Denn die Abgeordneten stimmten für lange Übergangsfristen für privat gehaltene Tiere. Die beträgt zehn Jahre für Hunde und 15 Jahre für Katzen. Für gewerbliche Züchter und Verkäufer beträgt die Frist nur vier Jahre. Ripa fordert, dass Deutschland die Maßnahmen schneller umsetzen sollte: „Die EU-Verordnung erlaubt strengere nationale Regelungen. Deutschland muss hier vorangehen!“

„Der illegale Welpenhandel ist keineswegs ein Randthema, sondern ein illegales Milliardengeschäft“, betonte der CDU-Europaparlamentarier Peter Liese, der immer wieder von einer „Hunde-Mafia“ spricht. „Schon 2021 hat die Kommission die Praxis als Teil der organisierten Kriminalität bezeichnet.“ Nach Schätzungen werden in Europa in dem Bereich jedes Jahr weit über eine Milliarden Euro umgesetzt, der bisher kaum zu kontrollieren ist. Der Grund: 60 Prozent der Verkäufe werden über das Internet abgewickelt.

Welpen oft ohne die notwendigen Impfungen

Entgegen den Versicherungen unlauterer Anbieter befinden sich die Tiere häufig in einem bemitleidenswerten Zustand. In der Regel werden sie zu früh von den Muttertieren getrennt, sind ohne die notwendigen Impfungen und auch die übliche tiermedizinische Überwachung fehlt. „Diese illegalen Praktiken sind auch eine Gefahr für die Gesundheit von uns Menschen“, warnt Peter Liese. „Wenn Tiere nicht untersucht sind, zum Beispiel nicht geimpft, können Krankheiten wie Tollwut auch auf Menschen übertragen werden.“

Das Gesetz regelt auch, dass sich Züchter in Zukunft an sehr genaue Vorgaben halten müssen. So müssen die Tiere etwa genügend Auslauf haben, auch müssen sie immer frisches Wasser und auch hochwertiges Futter bekommen. Außerdem soll die sogenannte Qual-Zucht unterbunden werden. Das bedeutet, dass etwa Hunden übertriebene, für sie schmerzhafte Eigenschaften angezüchtet werden. Dazu zählen etwa Möpse mit extrem kurzen Köpfen und Schnauzen, so dass sie kaum mehr Luft bekommen. Oder auch kleinwüchsige Rassen wie Chihuahuas oder Skelettfehlbildungen bei Dackeln.

Die EU reagiert auf den öffentlichen Druck

Mit dem Gesetz reagiert die EU auf den Druck aus der Bevölkerung. Einer Eurobarometer-Umfrage aus dem Jahr 2022 zufolge wünschen sich 74 Prozent der EU-Bürger einen besseren Schutz der Haustiere in ihrem Land. Der Tierschutz hat allerdings auch seine Grenzen. Denn die EU-Kommission hatte schon vor einigen Jahren angekündigt, die Gesetze im gesamten Bereich deutlich zu verschärfen – also auch für die Haltung von Kühen, Schweinen und Hühnern. Daraus wurde jedoch bisher nichts, die entsprechenden Lobbyverbände konnten sich in Brüssel immer wieder durchsetzen. Ein Grund ist wohl auch die Angst der EU-Kommission vor neuen Protesten der Landwirte, die sich wegen der schärferen Umweltauflagen im Rahmen des Green Deals schon genug gegängelt fühlen. Also kümmert sich die EU nun zuerst einmal um das Tierwohl von Hunden und Katzen.