Kommentar: Trump könnte einen Mythos schaffen
Stuttgart
Kommentar: Trump könnte einen Mythos schaffen
Von Stefan Kegel
Der Iran-Krieg sei so gut wie vorbei, sagt US-Präsident Donald Trump. Diese Ankündigung erscheint kühn, da es bislang keine Anhaltspunkte für ein Wanken des iranischen Regimes gibt. Weiterhin schlagen dessen Raketen und Drohnen in den umliegenden Ländern ein. Trotz aller Geheimdienst-Kniffe von Israel und den USA wurde mitten im Krieg sogar ein neuer oberster Führer gekürt. Trumps Äußerung hatte genau ein Ziel: die Märkte zu beruhigen. Denn die explodierenden Ölpreise infolge des Krieges lassen Wirtschaftsanalysten die Haare zu Berge stehen. Ginge der Krieg noch lange weiter, drohte ein weltweiter Wirtschaftseinbruch. Tatsächlich taten Trumps Worte vorerst ihre Wirkung.
Allerdings offenbart sich damit auch Trumps Dilemma: Sowohl an der eigenen politischen Basis als auch in der Wirtschaft und den verbündeten Staaten der Region wächst der Druck auf ihn, ein Ausstiegsszenario zu finden. Denn wenn die Dauerbombardements nicht zur Kapitulation des Mullah-Regimes führen, bliebe nur der potenziell verlustreiche Einsatz von Bodentruppen – den Trump scheut.
Natürlich könnte er den Krieg irgendwann für beendet und gewonnen erklären. Aber damit würde er seine erklärten Kriegsziele – den Regimesturz und das Ende des Atom- und Raketenprogramms – verfehlen. Und einen Mythos Iran schaffen: als das Land, das selbst die stärkste Militärmacht der Welt nicht in die Knie zwingen konnte.