Kommentar

Bezahlbar?

Das freie Spiel der Kräfte hat aufdem Immobilienmarkt seine Tücken.

Bezahlbar?

Von Thomas Eier

Liegt es an den persönlichen Umständen oder, manchmal, auch an Vorbehalten von Vermietern, wie die alleinerziehende Mutter mit fünf Kindern vermutet? Über den Einzelfall hinaus zeigt das Beispiel der Familie Funtek, die über eine Flugblatt-Aktion nach einer passenden Wohnung sucht, die Probleme eines freien Spiels der Kräfte auf dem Immobilienmarkt. Das Angebot an „bezahlbarem Wohnraum“ – also Häusern und Wohnungen zu einem für jedermann erschwinglichen Preis – ist auch im Raum Mühlacker seit Jahren dünn gesät, und verschärft werden die Engpässe dadurch, dass zunehmend Zuzügler aus der Region Stuttgart, die als besonders teures Pflaster gilt, in die Randlagen des Enzkreises drängen.

Der Vorstellung, private Investoren könnten die Nachfrage nach preisgünstigen Wohnungen mit dem Bau neuer Mehrfamilienhäuser befriedigen, erteilen Kenner der Branche eine Absage. Sie weisen darauf hin, dass nicht nur die Verkaufspreise für Immobilien, sondern auch die Baukosten nach oben geschossen sind; nicht zuletzt, weil der Gesetzgeber immer neue Bedingungen – zum Beispiel für die Barrierefreiheit oder hinsichtlich der Energiebilanz – stellt. Die Umsetzung solcher Vorgaben hat, auch wenn sie teilweise durch staatliche Förderprogramme flankiert werden, ihren Preis, den am Ende in aller Regel die Käufer oder Mieter bezahlen müssen.

Auch der Gedanke, wonach ältere Menschen – sozusagen aus Gründen der Solidarität – freiwillig ihr abbezahltes Eigenheim zur Verfügung stellen und in eine (ähnlich teure) betreute Seniorenwohnung umziehen sollen, wird in der Praxis ein Wunschtraum bleiben. Wer gibt schon ohne Not sein Zuhause auf?

Modelle wie jenes an der Stuttgarter Straße, wo die Stadtbau ein modernes Acht-Parteien-Haus für Mieter mit Wohnberechtigungsschein reserviert hat, setzen zwar für teures Geld ein soziales Zeichen, sind aber nicht viel mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Unabhängig von der vieldiskutierten Kritik des Grünen-Politikers Hofreiter an Einfamilienhäusern auf der grünen Wiese, die eher auf den Flächen- und Energieverbrauch denn auf die allgemeine Wohnungsnot abzielte, bleibt Einzelpersonen und Familien mit kleinerem Geldbeutel oft nur die Hoffnung auf ein älteres Objekt in weniger privilegierter Wohnlage.

Der Kapitalismus lebt vom Prinzip von Angebot und Nachfrage, das den Preis bestimmt. Ohne staatlich forcierten sozialen Wohnungsbau bedeutet das Härtefälle und Notlagen, die manchmal in einer Obdachlosenunterkunft enden.