Illingen trauert um Johann Sturm

Illingen trauert um Johann Sturm

Johann Sturm † Foto: p

Von Frank Goertz

Illingen. Johann Sturm hat den Kampf gegen das Coronavirus verloren. Am Mittwoch ist der langjährige Illinger Kommunalpolitiker, der sich auch in vielen Vereinen und Organisationen engagiert hat, im Pforzheimer Siloah-St.-Trudpert-Klinikum gestorben. „Wir haben wirklich aufgepasst, fast alle Kontakte vermieden“, sagt seine Witwe, Elfriede Sturm, die 53 Jahre mit ihrem Mann, den in Illingen jeder nur „Hans“ genannt hat, verheiratet war. Aber bei einem einzigen Essen, kurz vor dem Lockdown, mit Freunden, die infiziert waren, aber keine Symptome hatten, haben sich Elfriede und Hans Sturm angesteckt. „Bei mir waren die Beschwerden nicht ganz so schlimm, aber mein Mann hat schnell hohes Fieber bekommen“, sagt Elfriede Sturm. „Erst war er in der Klinik in Mühlacker, dann wurde er verlegt auf die Intensivstation im Siloah. Es ging alles Schlag auf Schlag.“

Kurz bevor ihr Mann an das Beatmungsgerät angeschlossen wurde, habe sie noch mit ihm telefoniert. „Ich glaube, er hatte so eine Vorahnung, dass er es nicht schaffen könnte“, sagt Elfriede Sturm. Ihr einziger Trost: „Ich konnte mich am Dienstag noch von ihm verabschieden.“

30 Jahre, von 1989 bis 2019, saß Hans Sturm für die UBL im Illinger Gemeinderat, war stets einer der Stimmenkönige in der Gemeinde. Lange Zeit war er stellvertretender ehrenamtlicher Bürgermeister. „Er war immer da“, sagt Ingeborg Beller, die die ganze Zeit Seite an Seite mit Hans Sturm im Gemeinderat gesessen hat. „Er hat sich selten geäußert, war nie laut. Aber wenn er sich geäußert hat, waren seine Worte das Ergebnis reiflicher Überlegungen und fundiert. Das entsprach seinem gewissenhaften Charakter.“ Vielleicht galt Hans Sturm auch deshalb im Gemeinderat als „Herr der Zahlen“, nicht nur weil er für die UBL stets die Haushaltsrede gehalten und den Etat analysiert hat. „Wenn es um Zahlen und Fakten ging, war Hans Sturm stets unser erster Ansprechpartner“, so Beller. Aber nicht nur bei Zahlen und Fakten war Hans Sturm präsent. „Auf ihn konnte man sich immer verlassen, wenn eine helfende Hand benötigt wurde.“ In der UBL, die sich nicht nur als Gemeinderatsfraktion, sondern auch fast wie Familie versteht, sei Hans Sturm so etwas wie der ruhende Pol gewesen.

„Ich habe ihm manchmal gesagt, melde Dich doch häufiger zu Wort“, erzählt Elfriede Sturm. Aber da sei ihr Mann eigen gewesen. „Er hat mehr als einmal gesagt: ,Was soll ich im Gemeinderat die Worte meiner Vorredner wiederholen‘“, erinnert sich Ingeborg Beller. Deshalb habe ihm auch jeder genau zugehört, wenn er sich dann doch zu Wort gemeldet hat. Weil es eben nicht die Worte der Vorredner waren.

Hans Sturm hat sich nicht nur im Gemeinderat engagiert. Er war auch 15 Jahre Kassierer im Obst- und Gartenbauverein, hat sich für den Förderverein St. Clara eingesetzt, in dem seine Frau im Vorstand ist. Auch bei der Heiligabend-Feier im Rathaus war Hans Sturm stets zugegen und hat Menschen schöne Stunden beschert. Gesungen hat er über 30 Jahre im Kirchenchor, war Mitglied im Krankenpflegeverein und der Handballabteilung des SV Illingen ebenso sehr verbunden wie dem Deutschen Roten Kreuz. Acht Jahre war er Schöffe am Landgericht Karlsruhe, was wohl auch Ausdruck seines großen Gerechtigkeitsgefühls und seines Glaubens an rechtsstaatliche Prinzipien war.

Ein Ausgleich hat Hans Sturm bis zuletzt beim Sport gefunden. „Er ist 1998 gemeinsam mit meinem Mann den Berlin-Marathon gelaufen“, erzählt Ingeborg Beller. Und auch danach habe er seine Laufschuhe nie an den Nagel gehängt. Auch wenn ihm zuletzt einige Krankheiten zugesetzt haben, habe er sich immer wieder hochgerappelt – bis das Coronavirus sein Leben genommen hat. Am 4. Dezember wäre Hans Sturm 75 Jahre alt geworden.