Hilfe, es stinkt – Wanzen im Mittleren Neckarraum

Baden-Württemberg

Derzeit machen sich Stinkwanzen massenhaft bemerkbar. Sie haben subtile Waffen, vor denen man sich durchaus in Acht nehmen sollte.

Igitt! Eine Stinkwanze an der Wand im gemütlichen Zuhause.

Igitt! Eine Stinkwanze an der Wand im gemütlichen Zuhause.

(Foto: Yasemin Gürtanyel)

Von Michael Maier

Wer in diesen Herbstwochen braune, schildförmige Insekten an Fenstern, auf Fassaden oder auf dem Balkon entdeckt, sollte sich auf weitere Begegnungen gefasst machen. Die Marmorierte Baumwanze – volkstümlich auch „Stinkwanze“ genannt – ist wieder auf dem Vormarsch. Besonders im Mittleren Neckarraum rund um Stuttgart häufen sich die Sichtungen aktuell spürbar. Sogar bis ins höher liegende und etwas kühlere Ulm haben es die lästigen Insekten inzwischen geschafft.

Vor einigen Jahren war es noch die amerikanische Kiefernwanze, die für Aufsehen sorgte. Heute hat sich die aus Ostasien stammende Marmorierte Baumwanze endgültig etabliert – in Gärten, auf Balkonen, in Hauseingängen und zunehmend auch in Wohnräumen selbst.

Warum kommt die Stinkwanze ins Haus?

Der Grund ist so simpel wie nachvollziehbar: Stinkwanzen lieben es warm und trocken. Sobald die Temperaturen sinken und die Tage kürzer werden, machen sich die Tiere auf die Suche nach einem sicheren Winterquartier. In der Natur wären das Baumrinden oder Laubhaufen – doch moderne Häuser bieten mindestens genauso attraktive Alternativen:

  • Mauerritzen und Fensterspalten
  • Dachböden und Holzverkleidungen
  • Rollladenkästen und Lüftungsschlitze

Laut dem Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg (LTZ) beginnt diese „Einzugsphase“ in der Regel ab Ende September, sobald die Außentemperaturen dauerhaft unter etwa neun Grad Celsius fallen. Wer also jetzt vermehrt Wanzen entdeckt, liegt damit absolut im saisonalen Zeitplan.

2026: Ein echtes „Wanzenjahr“

Nicht jeder Herbst ist gleich – und 2026 sticht dabei besonders hervor. Der österreichische Zoologe Manfred Hartbauer bringt es auf den Punkt: „2026 ist ein Wanzenjahr – Wärme bedeutet, dass sie sich rascher vermehren, die Generationszeit wird kürzer, und unter Trockenheit leiden sie gar nicht so sehr.“

Ein warmer, trockener Sommer wie der diesjährige kommt den Tieren entgegen. Das Ergebnis: deutlich mehr Individuen als in durchschnittlichen Jahren. Gleichzeitig sammeln sich im Herbst alle an denselben bevorzugten Stellen – warmen Hausfassaden und Fensterflächen – was den Eindruck einer regelrechten Plage noch verstärkt.

Der Mittlere Neckarraum zählt dabei laut LTZ neben dem Rheingraben und der Bodenseeregion zu den am stärksten betroffenen Gebieten in Baden-Württemberg. Die Art wurde in Europa erstmals 2004 nachgewiesen und hat sich seitdem kontinuierlich ausgebreitet – inzwischen ist sie in ganz Deutschland anzutreffen.

Wanze als Stinker und Gartenschreck in Baden-Württemberg

Eine gute Nachricht vorweg: Für den Menschen sind Stinkwanzen vollkommen harmlos. Sie sind keine Parasiten, übertragen keine Krankheiten und beißen nicht. Lästig werden sie vor allem dann, wenn sie sich bedroht fühlen – denn dann setzen sie ihr namensgebendes Abwehrsekret frei, das einen intensiven, lang anhaltenden Geruch hinterlässt.

Im Garten sieht die Bilanz jedoch weniger erfreulich aus: Die Marmorierte Baumwanze saugt an mehr als 300 Pflanzenarten in Baden-Württemberg, darunter:

  • Apfel-, Birn- und Kirschbaum
  • Tomaten und Paprika
  • Zier- und Nutzpflanzen

Die Folgen sind Verfärbungen, Verformungen und vorzeitiger Fruchtfall – ein echtes Ärgernis für Hobbygärtner und Landwirte gleichermaßen.

Was tun, wenn die Stinkwanze da ist?

Die Stinkwanze ist gekommen, um zu bleiben – zumindest bis zum Frühjahr 2027. Wer jetzt handelt, Schutzgitter anbringt und Spalten abdichtet, kann ihnen den Einzug aber zumindest erschweren. Wer sie trotzdem antrifft: Ruhe bewahren, Glas nehmen, nach draußen setzen, und auf keinen Fall den Staubsauger holen, denn der hartnäckige Geruch kann im Gerät hängen bleiben. Chemische Insektizide sind bei einzelnen Tieren weder notwendig noch empfehlenswert.

Wanze  einer verwandten Art krabbelt über den Teppich.

Wanze  einer verwandten Art krabbelt über den Teppich.

(Foto: IMAGO/imagebroker)